Meine Mundart Kolumnen...

Unter 'Aktuelles' erzähle ich, wie es dazu kam. Hier meine Mundart Kolumnen, jeweils veröffentlich in der Lokalzeitung "Volksstimme", CH-Sissach.

1. Kolumne vom 11. März 2021, Großauflage

 

Schyynfrucht

Es verwirrt mi ammen e chly. Die Tatsach, dass e Banane botanisch gseh es Beeri isch. Und es Ärpeeri isch gar keis richtigs Beeri, sondern e sogenannti Sammelnussfrucht, me säit au e Schyynfrucht. Derfür isch e Mandle denn au kei Nuss, sondern e Steifrucht. Do chunnt doch kei Mensch me drus, wenn nüt so isch, wies schyynt!

 

Au mängi Mensche sy gegen usse nid, wie sii uf en erschte Blick schyyne.

 

Das kenn ich vo mir sälber sehr guet. Won ich zum Byyspiil vor es paar Johr aagfange ha, myni Gschichten uf ere Bühni vor Publikum zum Beschte z gee. Ich syg muetig und so locker, häi si mir noochhär immer wiider gsäit. Derby häi mir unter myne Hoose d Chnüü zimmli zittered und ich ha mi richtig müesen überwinde.

 Meischtens hani denn es Röckli aagleit. „So chan ich weniger vor Angscht in d Hoose mache“, hani derzue sälbschtbewusst ins Mikrofoon verzellt.

 Do hani denn mängmol no chly fröhlicher gwürkt und amme sicher au en ungattigere, erschten Yydruck hinderloo, au wenn ich unter myner Schalen immer wiider e bitzeli unsichergsi bi.

 

 Ich ha au scho mängisch üsserlig e gröösseren Yydruck gmacht. Das hani as Chind scho gspürt, sällmol z Lause. Do häi si mi wäge myner uffellige Gröössi amme gfroggt, in weeler Klass ich jetz syg. Ich ha mi aber no uf en erschte Chindsgi-Daag gfreut.

 

Oder au hütt no, wenn mir liebi Mitmenschen amme säge, ich syg son es geduldigs Mami mit myne zwöi Chind. Das freut mi dänk scho, wär ghört so öppis nid gärn. Aber wenn sälli Mensche wüsste, wie cheiben ungeduldig ich cha sy...

Bi dere letschte Minute vo der Wöschmaschine zum Byyspiil. Das Warte, wil die letscht Minute nie nummen ei Minute goht, das tryybt mi unter eus gsäit regelmeessig uf d Palme. Palme syge schyynts ganz sträng gnoh au keini richtige Bäum.

 

Aber zrugg zu eus Mensche. Wie mängisch lache mir, wenn mir innerlich chönnte brüele? Mir säge ganz locker, alles syg guet, obwohl eim eigetlig alles stinkt und z vill isch. Villicht isch das eifach e Schutz. Wien e Banane, wo as groossi, lüüchtigi Frucht in der Fruchtschale strahlt, obwohl si eigetlig es Beeri isch.

 

Villicht sette mir au gar nid zue vill hinterfrogen und yyteile.

 Denn im Geegesatz zu däm Ärpeeri, wo sträng gnoh immer e Schyynfrucht blybt, chönne miir us euser Schaalen uusechoo, euse wohri Chärn zeige.

 

Ich bi immer mehr so, wie das gegen usse schyynt. Bi weniger nervös und immer mehr au innerlich grooss. Und ich freu mi, do in Zuekumft myni Gedanke mit Ihne z teile. Denn vo deene hani ganz e Huffe.

Aber jetz han ich so richtig Gluscht uf e salzigi Nussmischig. Mit Mandlen und Ärdnüssli, wo botanisch gseh au keini richtige Nüss sy, oder ebe doch?

 

Es isch nid immer so, wies schyynt, Hauptsach son es Ärdnüssli isch für euse Gaumen e G-Nuss.

 

 

 

 

 2. Kolumne vom 3. Juni 2021, Großauflage

 

Gueti alti Zyt

Früener sy vill Sache besser gsi, ich im Chopfrächne zum Byyspiil oder s Fährnsehprogramm. Gfühlt häi mir im Winter meh Schnee und im Summer weniger Unwätter gha. Sit sich eusen Alltag dur die Pandemie veränderet het, dänke vill no lieber an die gueten, alte Zyte zrugg. Wo mir eus no hemmigslos abgschmützlet häi oder an d Chindheit, wo s gheisse het „chumm hei, wenn d Stroosselatärnen aagönge!“

 

 

 

Au bi materielle Sache het sich einiges veränderet. Myni Chind loose zum Byyspiil no vill Kasette. Do wird ich jo scho chly sentimental, bin ich doch die Generation, wo Kasette zum Batteriie sparen im Walkman mit em Bleistift gspuelt het. Und ich dänk au no gärn an sonen erfolgryych ufgwigglete Bandsalat in dene Kasette zrugg.

 

Mänggi Sachen ändere sich für immer, und so sääge mir ab jetz: „Früener häi mir im Waldeburgertal no eusi WB gha!“ Sone Fahrt im Waldeburgerli isch amme meh as einisch am Daag nötig gsi zum ins Tal oder – für jungi Mensche vill wichtiger – us em Tal z cho. Die Fahrte sy eim grad in der Nacht ammen ewig lang vorcho, und das Bähnli het au syni Eigeheite gha: Im Winter hets eim unde heissi Luft an die nasse Schueh bloosen und obe sy alli Schyyben agloffe wie in der Sauna. Im Summer häi sich nass gschwitzti Menschen unfreywillig berüert und der Duurzug im Zug het mir mängge Chiieri bschert.

 

Aber jetz, wo das Bähnli wäg und das ganze Daal ei riise Boustell isch, häi mir zum Glück numme no die gueten Erinnerige dra. So chunnts, dass ich im fäärne Münche so vill Waldeburgerli gseh ha wie no nie, sobald ich mys Natel ufdo ha: Föteli von ere WB, wo s Daal uf fahrt, im Depot Waldeburg, WB vo inne, WB vo usse, vo vorne, vo hinden und vo früener. Denn die letschti Fahrt, die würklig allerletschti Fahrt, Föteli mit em Armin, mit Bluemeschmuck und mit Wehmuet.

 

E paar Dääg spööter es Waldeburgerli, wo am Kraan hangt, uf em Laschtwaage, uf em Schiff der Rhyy ab und bald numme no in Erinnerig. Mir häi do alli es Stück vo euser gueten alte Zyt los gloo, dänk i mir bi all dene Bilder.

 

Ufhalte chönne mir so Veränderige meischtens nid, und die gueti alti Zyt isch so guet, wil mir sii zu deere machen und im Chopf bhalte. Und es git Sache, do wünsch ich mir, dass si immer so blyybe. Dass my Papi wyyterhi nach jedem Glas, wo aabegheit, rüeft „zum Glück sy d Schäärbe no ganz!“ Isch so öppis.

 

Aber au es paar neui Gwohnete dörfen us myner Sicht blyybe. Gründlig Händ wäsche zum Byyspiil oder dass me mit Schnuudernasen ebe nid jeden andere no drüümol abschmützlet.

 

Mir gwöhnen eus jo doch rächt schnäll an Veränderigen und wär weiss, villicht sogar mol an das neue, gääle Tram, wo irgendwenn zum Alltag im Waldeburgertal ghört. Denn au das wird hoffentlig einisch zu euser gueten alte Zyt.